Firmendepot: wenn eine GmbH in Aktien und ETFs anlegt
Unternehmer hören oft, Aktien in der GmbH seien fast steuerfrei. Das stimmt nur teilweise. Hier erklären wir, wie ein Firmendepot besteuert wird, wo die Fallen liegen und für wen es überhaupt in Frage kommt.
Stand der Dinge: Geltendes Recht. Beschlossen: Die Körperschaftsteuer sinkt ab 2028 jedes Jahr um einen Punkt, von 15 % auf 10 % ab 2032 (§ 23 KStG). Stand: 7.10.2026.
Kurz erklärt
Stand: 7. Oktober 2026Ein Firmendepot ist ein Depot, das einer Firma gehört, meist einer GmbH oder UG. Gewinne aus Aktienverkäufen sind dort zu 95 % steuerfrei, die Belastung liegt bei rund 1,5 %. Dividenden aus kleinen Beteiligungen unter 10 % werden dagegen voll besteuert, mit rund 30 %. Für ETFs gelten eigene Regeln. Und spätestens beim Entnehmen zahlst du privat noch einmal Steuern.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Was ist das?
- ein Wertpapierdepot im Namen einer Kapitalgesellschaft, meist einer GmbH oder UG
- Körperschaftsteuer
- 15 % plus 5,5 % Soli darauf = 15,825 % (bis 2027); danach jährlich 1 Punkt weniger bis 10 % ab 2032
- Gewerbesteuer
- 3,5 % Messzahl mal Hebesatz der Gemeinde (mindestens 200 %); bei 400 % sind das 14 %
- Aktiengewinne
- 95 % steuerfrei (§ 8b KStG), Belastung bei 400 % Hebesatz rund 1,5 %
- Dividenden unter 10 % Beteiligung
- voll steuerpflichtig (Streubesitz), bei 400 % Hebesatz rund 30 %
- Dividenden ab 10 % / 15 %
- ab 10 % zu 95 % frei von Körperschaftsteuer, ab 15 % auch weitgehend frei von Gewerbesteuer
- Aktien-ETFs
- Teilfreistellung 80 % bei der Körperschaftsteuer, aber nur 40 % bei der Gewerbesteuer
- Verluste mit Aktien
- steuerlich nicht abziehbar, spiegelbildlich zur Steuerfreiheit der Gewinne
- Kein Sparer-Pauschbetrag
- eine GmbH hat keinen Freibetrag von 1.000 €; jeder Euro Ertrag zählt
- Entnahme privat
- Ausschüttung an dich: noch einmal 25 % Abgeltungsteuer plus Soli
- Kosten
- Gründung (GmbH: 25.000 € Stammkapital), Bilanz, Steuerberater, jährliche Erklärungen
Was ein Firmendepot ist
Ein Firmendepot funktioniert technisch wie dein privates Depot. Der Unterschied: Es gehört nicht dir, sondern einer Kapitalgesellschaft, meist einer GmbH oder einer UG (haftungsbeschränkt). Die Firma kauft Aktien oder ETFs mit ihrem Geld, und die Erträge sind Gewinne der Firma. Für sie gilt deshalb nicht die Abgeltungsteuer mit 25 %, sondern das Unternehmenssteuerrecht. Das kann günstiger sein, aber auch deutlich teurer, je nachdem, was im Depot liegt. Typisch ist das für Selbstständige, die schon eine GmbH haben und Gewinne dort liegen lassen, statt sie auszuschütten. Manche gründen eine eigene GmbH nur zum Anlegen, oft als Holding.
Die zwei Steuern einer GmbH
Eine GmbH zahlt Körperschaftsteuer: 15 % plus Solidaritätszuschlag, zusammen 15,825 %. Beschlossen ist, dass der Satz ab 2028 jedes Jahr um einen Punkt sinkt, bis auf 10 % ab 2032. Dazu kommt die Gewerbesteuer. Sie hängt vom Hebesatz der Gemeinde ab: 3,5 % mal Hebesatz. Bei einem Hebesatz von 400 % sind das 14 %. Zusammen liegt die Belastung heute also bei rund 30 %. Eine GmbH ist immer gewerbesteuerpflichtig, auch wenn sie nur Geld anlegt, und hat keinen Gewerbesteuer-Freibetrag. Einen Sparer-Pauschbetrag von 1.000 € gibt es für sie ebenfalls nicht.
von Gewinnen aus Aktienverkäufen sind in einer GmbH steuerfrei (§ 8b KStG). Übrig bleibt eine Belastung von rund 1,5 %.
Kursgewinne fast steuerfrei, Dividenden nicht
Verkauft die GmbH Aktien mit Gewinn, bleibt dieser Gewinn nach § 8b KStG steuerfrei. 5 % gelten aber als nicht abziehbare Ausgaben und werden besteuert. Unterm Strich zahlt die GmbH bei 400 % Hebesatz also etwa 1,5 % auf den Kursgewinn statt 26,4 % privat. Das ist der Grund, warum Firmendepots so oft empfohlen werden. Bei Dividenden ist es anders. Hält die GmbH zu Beginn des Kalenderjahres weniger als 10 % an der Firma, und das ist bei Börsenaktien fast immer so, ist die Dividende voll körperschaftsteuerpflichtig. Bei der Gewerbesteuer gilt eine Grenze von 15 %. Diese Streubesitzdividenden kosten also rund 30 %, mehr als privat. Und eine Kehrseite hat die Steuerfreiheit: Verluste aus Aktien kann die GmbH steuerlich nicht abziehen.
ETFs und Fonds im Firmendepot
Für Fonds und ETFs gilt nicht § 8b KStG, sondern das Investmentsteuergesetz. Bei Aktienfonds (mehr als 50 % Aktien) sind für eine GmbH 80 % der Erträge von der Körperschaftsteuer frei. Bei der Gewerbesteuer zählt die Freistellung aber nur zur Hälfte, also 40 %. Bei Mischfonds sind es 40 % und 20 %. Damit sind ETF-Erträge in der GmbH spürbar höher belastet als direkt gehaltene Aktiengewinne, bei 400 % Hebesatz grob 11 bis 12 %. Auch die Vorabpauschale fällt in der GmbH an. Die Aussage "in der GmbH fast steuerfrei" passt also nur zu Kursgewinnen mit Einzelaktien, nicht zu ETFs.
Der Haken: Das Geld gehört der Firma
Was in der GmbH liegt, ist nicht dein privates Geld. Willst du es privat nutzen, muss die GmbH es ausschütten. Darauf zahlst du dann als Gesellschafter noch einmal Abgeltungsteuer, 25 % plus Soli. Der Vorteil einer GmbH ist also vor allem ein Aufschub: Du kannst Gewinne mit niedriger Steuer liegen lassen und wieder anlegen. Dazu kommen Kosten, die privat nicht anfallen. Eine GmbH braucht 25.000 € Stammkapital (eine UG ab 1 €), muss eine Bilanz aufstellen und jedes Jahr Steuererklärungen abgeben. Ein Steuerberater kostet schnell mehrere tausend Euro im Jahr. Für kleine Beträge lohnt sich das kaum.
Diese Seite erklärt Grundbegriffe, sie ist keine Steuerberatung. Ob ein Firmendepot oder eine Holding für dich passt, hängt von deinem Einkommen, deinen Plänen und vielen Details ab. Sprich vorher mit einer Steuerberaterin oder einem Steuerberater.
Häufige Fragen
Sind Aktiengewinne in der GmbH wirklich steuerfrei?
Zu 95 %. 5 % des Gewinns werden mit Körperschaft- und Gewerbesteuer besteuert. Bei einem Hebesatz von 400 % ergibt das etwa 1,5 % Steuer auf den Gewinn.
Warum werden Dividenden in der GmbH so hoch besteuert?
Weil die 95 %-Befreiung für Dividenden erst ab 10 % Beteiligung gilt, bei der Gewerbesteuer ab 15 %. Bei normalen Börsenaktien hält eine GmbH fast immer weniger, die Dividende ist dann voll steuerpflichtig, rund 30 %.
Gilt die 95 %-Regel auch für ETFs?
Nein. Für Fonds und ETFs gilt die Teilfreistellung des Investmentsteuergesetzes. Bei Aktienfonds sind das für eine GmbH 80 % bei der Körperschaftsteuer und 40 % bei der Gewerbesteuer.
Zieht die Bank in der GmbH Kapitalertragsteuer ab?
Bei Veräußerungsgewinnen in der Regel nicht. Bei Dividenden schon, die GmbH bekommt sie aber über ihre Steuererklärung angerechnet oder erstattet.
Ab welchem Betrag lohnt sich eine GmbH zum Anlegen?
Eine feste Grenze gibt es nicht. Gründung, Bilanz und Steuerberater kosten jedes Jahr Geld, und privat zahlst du beim Entnehmen nochmals Steuern. Für kleine Summen überwiegen meist die Kosten. Lass das individuell durchrechnen.
Kann ich das Geld später einfach privat nutzen?
Nicht einfach so. Es gehört der GmbH. Für private Zwecke muss sie es ausschütten, und darauf zahlst du als Gesellschafter 25 % Abgeltungsteuer plus Soli.
Quellen
- § 8b KStG: Beteiligung an anderen Körperschaften (95 %-Freistellung, Streubesitz)
- § 23 KStG: Steuersatz (15 % bis 2027, danach schrittweise auf 10 %)
- § 8 GewStG: Hinzurechnungen (Nr. 5, Streubesitzdividenden)
- § 9 GewStG: Kürzungen (Nr. 2a, Schachtelprivileg ab 15 %)
- § 11 GewStG: Steuermesszahl 3,5 %
- § 20 InvStG: Teilfreistellung (auch für Körperschaften und Gewerbesteuer)
- § 43 EStG: Kapitalertragsteuer (Abs. 2: Ausnahmen für Körperschaften)
- § 5 GmbHG: Stammkapital
Stand: 7. Oktober 2026 · Bildungsinhalt, keine Anlage- oder Steuerberatung.