BeInStocks
Kapitel 7 von 10 6 Min.

ETF oder Einzelaktie?

Du kannst einzelne Unternehmen kaufen oder mit einem einzigen Wertpapier gleich hunderte. Beides hat seinen Platz. Hier siehst du, worin sie sich unterscheiden.

Zwei Wege an die Börse

Mit einer Einzelaktie kaufst du einen kleinen Anteil an genau einem Unternehmen. Dein Ergebnis hängt dann an dieser einen Firma. Ein ETF funktioniert anders. Er ist ein Korb, in dem viele Aktien auf einmal liegen. Mit einem Kauf bist du an allen Unternehmen in diesem Korb beteiligt. Die Abkürzung steht für Exchange Traded Fund, also einen börsengehandelten Fonds. Du kaufst und verkaufst ihn wie eine Aktie.

Links eine einzelne Aktienkarte. Rechts ein Raster aus 40 kleinen Karten mit der Aufschrift DAX-ETF. Ein Kauf, 40 Unternehmen auf einmal.

Was ein Index ist

Die meisten ETFs bilden einen Index nach. Ein Index ist eine Liste von Unternehmen nach festen Regeln, so etwas wie eine Rangliste. Der DAX umfasst die 40 größten Unternehmen an der deutschen Börse. Der MSCI World enthält weit über 1.000 große und mittelgroße Unternehmen aus 23 Industrieländern. Ein ETF auf einen Index kauft einfach alle Firmen dieser Liste, in ihrem jeweiligen Gewicht. Niemand muss dafür entscheiden, welche Aktie gerade gut aussieht. Deshalb nennt man solche ETFs auch passiv.

40

Unternehmen stecken in einem ETF auf den DAX. Mit einem einzigen Kauf bist du an allen beteiligt.

Die Stärken eines ETFs

Der größte Vorteil ist die Streuung, die du im letzten Kapitel kennengelernt hast. Fällt eine Firma im Index aus, ist das nur ein kleiner Teil deines Geldes. Dazu kommen niedrige laufende Kosten, weil kein Team aktiv Aktien auswählt. Bei breiten Index-ETFs liegen sie oft deutlich unter einem halben Prozent pro Jahr. Und du musst nicht jedes Unternehmen einzeln verfolgen. Ein ETF ist trotzdem kein sicheres Sparbuch. Fällt der ganze Markt, fällt auch dein ETF.

Die Stärken einer Einzelaktie

Einzelaktien haben einen eigenen Reiz. Du weißt genau, welches Unternehmen du besitzt, und kannst seine Entwicklung verfolgen. Läuft es außergewöhnlich gut, kann deine Aktie den Markt weit hinter sich lassen. Das gilt aber genauso in die andere Richtung. Wer Einzelaktien kauft, braucht Zeit, um Geschäftsberichte zu lesen und Nachrichten einzuordnen. Und er braucht die Gelassenheit, auch einen großen Verlust bei einer Position auszuhalten. Wer nur wenige Einzelaktien besitzt, ist schlecht gestreut, auch wenn es sich nicht so anfühlt.

Ein ETF ist nur so breit wie sein Index. Ein ETF auf 40 deutsche Unternehmen ist stärker gestreut als eine Einzelaktie, aber deutlich enger als einer auf weit über 1.000 Firmen aus vielen Ländern. Schau also immer, welcher Index dahintersteckt.

Was ETFs kosten

Ein ETF hat laufende Kosten, die als Prozentsatz pro Jahr angegeben werden. Die Abkürzung dafür lautet TER. Liegt sie bei 0,2 Prozent, kostet dich das bei 1.000 Euro Anlage etwa 2 Euro im Jahr. Du zahlst das nicht separat, es wird unauffällig vom Fondsvermögen abgezogen. Dazu kommen die Gebühren deines Brokers für Kauf und Verkauf. Bei Einzelaktien fallen keine laufenden Fondskosten an, dafür zahlst du für jede Aktie einzeln Ordergebühren. Wer viele verschiedene Einzelaktien kauft, um breit zu streuen, kommt so oft auf höhere Gesamtkosten.

Was zu dir passt

Es gibt kein Richtig oder Falsch, nur unterschiedliche Ansprüche. Wenn du wenig Zeit hast und vor allem breit gestreut langfristig investieren willst, ist ein ETF auf einen breiten Index für viele ein naheliegender Grundbaustein. Wenn du dich gern mit einzelnen Unternehmen beschäftigst, kannst du Einzelaktien ergänzen. Viele Anlegerinnen und Anleger kombinieren beides: einen großen, breit gestreuten Kern und einen kleineren Teil für einzelne Firmen, die sie besonders interessieren. Achte bei jedem ETF auf drei Dinge: den Index, die jährlichen Kosten und ob Erträge ausgeschüttet oder wieder angelegt werden.

Ausschüttend oder thesaurierend? Ein ausschüttender ETF zahlt dir Dividenden aufs Konto. Ein thesaurierender legt sie automatisch wieder an. Mehr dazu, auch zu den Steuern, im Kapitel über Steuern auf Aktien.

Kurz gesagt

  • Eine Einzelaktie ist ein Anteil an einem Unternehmen, ein ETF ein Korb mit vielen Aktien nach einem Index.
  • ETFs bieten Streuung und niedrige Kosten, schützen aber nicht vor Verlusten des Gesamtmarkts.
  • Wie breit ein ETF streut, hängt von seinem Index ab, etwa 40 Firmen im DAX oder weit über 1.000 im MSCI World.