Einstieg am Allzeithoch: Was die Geschichte von DAX und MSCI World zeigt
Der DAX liegt 4,5 % unter seinem Rekord, und viele fragen sich: Jetzt noch einsteigen? Wir haben jeden Monat seit 1987 durchgerechnet, was nach einem Kauf am Allzeithoch passiert ist und was nach einem Kauf zu jedem anderen Zeitpunkt.
Stand der Dinge: Nachgerechnet bis Oktober 2026: Monatsschlusskurse, der letzte Wert ist der Kurs beim Datenabruf. Vergangene Entwicklung ist keine Prognose.
Kurz erklärt
Stand: 7. Oktober 2026Über zehn Jahre betrachtet war ein Einstieg am Allzeithoch historisch nicht schlechter als ein Einstieg in einem beliebigen Monat. Beim DAX endeten 94,9 % der 10-Jahres-Zeiträume ab einem Rekordhoch im Plus, ab irgendeinem Monat 93,9 %. Das Risiko sind seltene Hochs wie im Februar 2000: Als Einmalanlage dauerte es 7 Jahre und 3 Monate bis zum Gleichstand. Ein dort gestarteter Sparplan war nach 5 Jahren wieder im Plus.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Datenbasis
- DAX seit Dezember 1987 (Performanceindex, Dividenden eingerechnet), MSCI World seit Januar 1985 (Kursindex in US-Dollar, ohne Dividenden); Monatsschlusskurse von Yahoo Finance
- Monate am Allzeithoch
- DAX: 98 von 467 Monaten (21,0 %); MSCI World: 132 von 502 (26,3 %)
- DAX: 10 Jahre im Plus
- ab Allzeithoch 94,9 %, ab beliebigem Monat 93,9 %
- MSCI World: 10 Jahre im Plus
- ab Allzeithoch 87,8 %, ab beliebigem Monat 93,2 %
- DAX: typische Rendite über 10 Jahre
- ab Allzeithoch 7,5 % pro Jahr, ab beliebigem Monat 7,6 % pro Jahr (Median)
- Schlechtester DAX-Einstieg
- Februar 2000: -68,3 % bis März 2003, 7 Jahre und 3 Monate bis zum Gleichstand
- Sparplan ab diesem Hoch
- nach 5 Jahren wieder im Plus
- Einmalanlage oder 12 Monate verteilt
- beim DAX lag die Einmalanlage nach 10 Jahren in 71,2 % der Startmonate vorn
- Stand heute
- DAX 4,5 % unter dem höchsten Monatsschluss (August 2026), MSCI World auf Rekordhoch
Die Zahlen: Einstieg am Allzeithoch gegen jeden anderen Monat
Ein Allzeithoch ist hier ein Monat, der mindestens so hoch schloss wie alle Monate davor. Für jeden Startmonat rechnen wir, wo der Index 1, 5 und 10 Jahre später stand.
DAX
Performanceindex, mit DividendenDezember 1987 bis Oktober 202698 von 467 Monaten auf RekordDie schlimmsten Hochs
Allzeithochs, nach denen der Index um mindestens 30 % fiel, bevor er einen neuen Rekord erreichte.
MSCI World
Kursindex in USD, ohne DividendenJanuar 1985 bis Oktober 2026132 von 502 Monaten auf RekordDie schlimmsten Hochs
Allzeithochs, nach denen der Index um mindestens 30 % fiel, bevor er einen neuen Rekord erreichte.
Gekauft im Februar 2000: Einmalanlage gegen Sparplan
Wert je 100 € Einsatz, DAX. Bei 100 € ist das eingezahlte Geld wieder erreicht.
Quelle: Yahoo Finance, Monatsschlusskurse bis Oktober 2026 (letzter Wert: Kurs beim Datenabruf). Ohne Kosten, Steuern und Inflation. Vergangene Entwicklung ist keine Garantie.
Rekorde sind an der Börse normal
Ein Allzeithoch heißt nur: Der Kurs ist so hoch wie nie zuvor. Wenn ein Markt über Jahrzehnte steigt, passiert das ständig. Der DAX schloss seit Dezember 1987 in 98 von 467 Monaten auf einem Rekord, das ist etwa jeder 5. Monat. Beim MSCI World waren es 132 von 502 Monaten. Ein Rekord allein sagt also wenig darüber, ob der nächste Absturz kurz bevorsteht. Das Gefühl "zu teuer" entsteht vor allem, weil du den alten, niedrigeren Kurs noch im Kopf hast.
der 10-Jahres-Zeiträume im DAX, die an einem Allzeithoch begannen, endeten im Plus. Ab einem beliebigen Monat waren es 93,9 %.
So haben wir gerechnet
Wir nehmen die Monatsschlusskurse und markieren jeden Monat, der mindestens so hoch schloss wie alle Monate davor. Für jeden dieser Monate rechnen wir aus, wo der Index 1, 5 und 10 Jahre später stand. Dasselbe machen wir für jeden Monat als Vergleich. Wichtig: Der DAX ist ein Performanceindex, Dividenden sind also eingerechnet. Der MSCI World ist hier der Kursindex in US-Dollar ohne Dividenden, weil es dafür die längste frei verfügbare Reihe gibt. Seine Werte sind deshalb zu niedrig, und für Anleger in Euro kommen Wechselkursschwankungen dazu. Kosten, Steuern und Inflation sind nicht berücksichtigt.
Kurzfristig ist alles möglich
Nach einem Jahr lagen DAX-Einstiege am Allzeithoch in 68,8 % der Fälle im Plus, Einstiege in beliebigen Monaten in 69,9 %. Der schlechteste Ein-Jahres-Zeitraum ab einem Hoch begann im Dezember 2007 und brachte -40,4 %. Nach fünf Jahren waren es 76,0 % gegenüber 83,3 %, nach zehn Jahren 94,9 % gegenüber 93,9 %. Die Tabelle oben zeigt alle Werte, auch für den MSCI World.
Der schlimmste Fall: kaufen direkt vor einem Crash
Es gibt Hochs, nach denen es lange bergab ging. Beim DAX fiel der Kurs nach diesen Rekorden um mindestens 30 %:
Hoch im März 1990: bis September 1990 -32,5 %. Einmalanlage zurück auf Gleichstand: 3 Jahre und 7 Monate. Sparplan ab dem Hoch wieder im Plus: 1 Jahr und 1 Monat.
Hoch im Februar 2000: bis März 2003 -68,3 %. Einmalanlage zurück auf Gleichstand: 7 Jahre und 3 Monate. Sparplan ab dem Hoch wieder im Plus: 5 Jahre.
Hoch im Dezember 2007: bis Februar 2009 -52,4 %. Einmalanlage zurück auf Gleichstand: 5 Jahre und 5 Monate. Sparplan ab dem Hoch wieder im Plus: 1 Jahr und 9 Monate.
Der Sparplan ist schneller wieder im Plus, weil er im Tief viele Anteile günstig kauft. Wer dagegen alles am Hoch investiert hat, braucht starke Nerven.
Einmalanlage oder lieber über 12 Monate verteilen? Beim DAX lag die Einmalanlage nach 10 Jahren in 71,2 % aller Startmonate vorn, bei Starts am Allzeithoch in 74,6 %. Vanguard kam 2012 für die USA, Großbritannien und Australien auf etwa zwei Drittel. Das Verteilen kostet also meist etwas Rendite, schützt aber vor dem Pech eines schlechten Zeitpunkts.
Was du daraus mitnehmen kannst
Niemand weiß, ob auf ein Hoch ein weiteres Hoch oder ein Absturz folgt. Die Zahlen zeigen nur, dass Warten auf einen "besseren" Zeitpunkt historisch kein verlässlicher Vorteil war. Wichtiger als der Einstiegstag sind drei Fragen: Hast du einen Notgroschen, damit du im Tief nicht verkaufen musst? Kannst du das Geld mindestens zehn Jahre liegen lassen? Und hältst du es aus, wenn dein Depot zeitweise deutlich im Minus steht? Wenn dich die Sorge vor dem falschen Zeitpunkt lähmt, kann ein Sparplan helfen, weil er die Entscheidung auf viele Monate verteilt. Das ist keine Anlageberatung.
Häufige Fragen
Soll ich warten, bis die Kurse wieder fallen?
Das kann niemand seriös beantworten. Historisch war ein Einstieg am Allzeithoch beim DAX nach zehn Jahren nicht schlechter als ein Einstieg in einem beliebigen Monat. Wer wartet, verpasst womöglich weitere Rekorde.
Wie oft stand der DAX auf einem Allzeithoch?
In 98 von 467 Monaten seit Dezember 1987, gemessen an den Monatsschlusskursen. Das ist etwa jeder 5. Monat.
Was war der schlechteste Zeitpunkt für einen Einstieg?
Beim DAX das Hoch im Februar 2000. Danach fiel der Index bis März 2003 um 68,3 %. Eine Einmalanlage brauchte 7 Jahre und 3 Monate bis zum Gleichstand, ein Sparplan 5 Jahre bis ins Plus.
Ist ein Sparplan am Allzeithoch besser als eine Einmalanlage?
Meist bringt die Einmalanlage mehr, weil das Geld früher arbeitet. Der Sparplan verteilt aber das Risiko eines schlechten Zeitpunkts und ist nach einem Crash schneller wieder im Plus. Was besser zu dir passt, hängt von deinen Nerven ab.
Warum ist der DAX ein Performanceindex?
Beim DAX werden die Dividenden der Unternehmen rechnerisch wieder angelegt. Viele andere Indizes wie der MSCI World in seiner Standardversion zeigen nur die Kursentwicklung. Ein DAX-Wert ist deshalb nicht direkt mit einem Kursindex vergleichbar.
Gilt das auch für einzelne Aktien?
Nein. Breite Indizes erholen sich, weil schwache Firmen ersetzt werden und starke wachsen. Eine einzelne Aktie kann nach ihrem Hoch für immer darunter bleiben oder ganz verschwinden.
Quellen
- STOXX (Deutsche Börse Group): DAX Index, Performanceindex mit Dividenden
- Yahoo Finance: DAX P (^GDAXI), historische Kurse
- MSCI: MSCI World Index
- Yahoo Finance: MSCI World (^990100-USD-STRD), historische Kurse
- Vanguard Research (2012): Dollar-cost averaging just means taking risk later (PDF)
- Verbraucherzentrale: Bevor Sie Geld anlegen, das kleine Einmaleins der Geldanlage
Stand: 7. Oktober 2026 · Bildungsinhalt, keine Anlage- oder Steuerberatung.