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Kapitel 6 von 10 5 Min.

Risiko und Streuung

Jede Aktie kann fallen. Manche erholen sich nie. Die gute Nachricht: Du kannst dein Risiko deutlich senken, ohne hellsehen zu müssen. Das Werkzeug dafür heißt Streuung.

Was Risiko an der Börse bedeutet

Risiko heißt an der Börse vor allem eines: Der Kurs kann sich anders entwickeln, als du hoffst. Er kann schwanken, mal kräftig nach oben, mal genauso kräftig nach unten. Das allein ist normal. Gefährlich wird es, wenn ein einziges Unternehmen über dein ganzes Geld entscheidet. Läuft bei dieser einen Firma etwas schief, gibt es nichts, was den Verlust abfedert. Im schlimmsten Fall geht ein Unternehmen pleite, und die Aktie ist nahezu nichts mehr wert.

Links liegen alle Eier in einem Korb. Der Korb kippt, und alle Eier gehen zu Bruch. Rechts sind die Eier auf zehn Körbe verteilt. Einer kippt um, die anderen neun stehen sicher.

Zwei Arten von Risiko

Es hilft, zwei Arten von Risiko zu unterscheiden. Das erste betrifft nur ein einzelnes Unternehmen: ein Produkt floppt, ein Skandal wird bekannt, das Management trifft schlechte Entscheidungen. Dieses Einzelrisiko kannst du durch Streuung stark verringern. Das zweite betrifft den ganzen Markt: eine Rezession, eine Krise, steigende Zinsen. Dann fallen oft fast alle Aktien gleichzeitig. Dieses Marktrisiko lässt sich nicht wegstreuen. Du kannst nur lernen, es auszuhalten, und genug Zeit mitbringen.

So funktioniert Streuung

Stell dir vor, du verteilst 1.000 Euro gleichmäßig auf zehn Unternehmen, jeweils 100 Euro. Eines davon geht pleite. Dann verlierst du 100 Euro, also 10 Prozent. Das tut weh, aber es ist kein Drama. Die anderen neun können diesen Verlust über die Jahre wieder ausgleichen. Hättest du alles in genau diese eine Firma gesteckt, wären die 1.000 Euro weg. Mit noch mehr Unternehmen wird der Effekt stärker: Bei hundert Firmen fällt eine einzelne Pleite kaum noch ins Gewicht.

-10 %

So viel verlierst du, wenn eines von zehn gleich großen Investments komplett ausfällt. Ohne Streuung wären es 100 Prozent.

Worauf es beim Streuen ankommt

Gute Streuung heißt nicht nur: viele Aktien. Zehn Autohersteller aus demselben Land reagieren oft ähnlich auf dieselben Probleme. Wirklich breit gestreut bist du, wenn deine Anlage mehrere Dimensionen abdeckt. Verschiedene Branchen, zum Beispiel Gesundheit, Technik, Konsum und Industrie. Verschiedene Länder und Regionen, damit nicht eine einzelne Volkswirtschaft alles bestimmt. Und verschiedene Zeitpunkte: Wer regelmäßig kleine Beträge anlegt, kauft mal teurer und mal günstiger ein. So hängt das Ergebnis nicht an einem einzigen Kaufdatum.

Warum nicht einfach die beste Aktie kaufen?

Die Idee ist verlockend: Wer die eine Gewinneraktie findet, braucht keine Streuung. Das Problem ist, dass niemand verlässlich weiß, welche das sein wird. Auch Fachleute, die den ganzen Tag nichts anderes tun, liegen regelmäßig daneben. Zugleich entsteht ein großer Teil der Börsengewinne durch relativ wenige Unternehmen. Wer breit streut, hat diese wenigen mit hoher Wahrscheinlichkeit dabei, ohne sie vorher erkennen zu müssen. Streuung ist also kein Zeichen von Unwissen, sondern eine ehrliche Antwort darauf, dass die Zukunft offen ist.

Ein häufiger Irrtum: „Ich kenne die Firma gut, also ist sie sicher.“ Auch bekannte, große Unternehmen sind schon tief gefallen oder ganz verschwunden. Vertrautheit ist kein Schutz. Streuung schon eher.

Schwankungen gehören dazu

Selbst ein breit gestreutes Depot kann in einem schlechten Jahr deutlich im Minus stehen. Das ist kein Fehler, sondern der Preis für die Chance auf langfristige Erträge. Wichtig ist, dass du solche Phasen vorher einplanst. Lege nur Geld an, das du für viele Jahre nicht brauchst. Dann musst du in einer Krise nicht verkaufen, sondern kannst abwarten. Historisch haben sich breite Aktienmärkte nach Einbrüchen wieder erholt, manchmal schnell, manchmal erst nach Jahren. Eine Garantie dafür gibt es allerdings nicht.

Streuung senkt das Risiko, dass ein einzelner Fehler dein ganzes Geld kostet. Sie verhindert aber nicht, dass dein Depot in einer Marktkrise zeitweise fällt.

Kurz gesagt

  • Streuung verringert das Risiko, dass ein einzelnes Unternehmen dein ganzes Geld mitreißt.
  • Streue über Branchen, Länder und Zeitpunkte, nicht nur über die Anzahl der Aktien.
  • Das Risiko des Gesamtmarkts bleibt. Dagegen helfen Zeit und Geld, das du lange nicht brauchst.