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Kapitel 3 von 10 5 Min.

Wie entsteht ein Kurs?

Niemand legt den Preis einer Aktie fest. Er entsteht jede Sekunde neu, aus allen Kauf- und Verkaufswünschen zusammen.

Der Kurs ist der letzte Handel

Wenn du in einer App siehst, dass eine Aktie 100 Euro kostet, dann ist das der Kurs. Er sagt dir, zu welchem Preis zuletzt ein Käufer und ein Verkäufer zusammengekommen sind. Mehr nicht. Es gibt keine Behörde und keinen Chef der Börse, der ihn bestimmt. Der Kurs ist schlicht der Preis des letzten Geschäfts. Kommt das nächste Geschäft zu einem anderen Preis zustande, ändert sich auch der Kurs.

Das Orderbuch

Jeder, der kaufen oder verkaufen will, gibt einen Auftrag auf, eine sogenannte Order. Alle diese Aufträge sammelt die Börse in einer Liste: dem Orderbuch. Auf der einen Seite stehen die Kaufwünsche, auf der anderen die Verkaufswünsche. Der höchste Preis, den ein Käufer gerade zahlen will, heißt Geldkurs oder auf Englisch Bid. Der niedrigste Preis, zu dem ein Verkäufer gerade abgeben will, heißt Briefkurs oder Ask.

Links die Kaufaufträge, rechts die Verkaufsaufträge, jeweils als Balken nach Menge. Die beiden Seiten rücken aufeinander zu. Wo sie sich treffen, kommt ein Handel zustande, und genau dort pendelt sich der Kurs ein.

Ein Beispiel

Anna möchte eine Aktie kaufen und ist bereit, höchstens 99,80 Euro zu zahlen. Ben möchte verkaufen, will aber mindestens 100,20 Euro. Zwischen den beiden liegen 40 Cent. Es passiert nichts. Dann kommt Clara. Sie will sofort verkaufen und nimmt den besten Preis, den es gerade gibt: die 99,80 Euro von Anna. Das Geschäft läuft, und der neue Kurs steht bei 99,80 Euro. Den Abstand zwischen Geld- und Briefkurs nennt man Spread. Bei großen, viel gehandelten Aktien ist er meist sehr klein.

Aufträge mit Preisgrenze heißen Limit-Order. Du sagst: Ich kaufe nur bis zu diesem Preis. Ein Auftrag ohne Grenze heißt Market-Order und wird zum nächsten verfügbaren Preis ausgeführt. Gerade bei wenig gehandelten Aktien schützt dich ein Limit vor bösen Überraschungen.

Warum Kurse sich bewegen

Wollen mehr Menschen kaufen als verkaufen, müssen Käufer mehr bieten, und der Kurs steigt. Wollen mehr verkaufen, sinkt er. Doch was bringt die Leute dazu? Meist sind es Erwartungen. Ein Unternehmen meldet einen starken Gewinn, ein neues Produkt kommt gut an, oder die Zinsen ändern sich. Anleger fragen sich ständig: Was wird dieses Unternehmen in Zukunft verdienen? Der Kurs ist die gemeinsame Antwort aller Marktteilnehmer auf diese Frage, und sie ändert sich mit jeder neuen Information.

99,80 €

Der neue Kurs im Beispiel. Er entsteht in dem Moment, in dem ein Käufer und eine Verkäuferin sich einig werden.

Kurs und Wert sind nicht dasselbe

Kurzfristig schwanken Kurse oft stärker, als es das Unternehmen dahinter rechtfertigt. Angst und Begeisterung spielen mit. Eine Aktie kann an einem Tag um fünf Prozent fallen, obwohl sich am Geschäft nichts geändert hat. Langfristig folgen Kurse eher dem, was ein Unternehmen tatsächlich erwirtschaftet. Deshalb lohnt es sich, nicht jede Tagesbewegung zu ernst zu nehmen. Auf XETRA gibt es übrigens zu Handelsbeginn, mittags und zum Handelsschluss eine Auktion. Dabei wird der Preis gesucht, zu dem die meisten Aktien den Besitzer wechseln können.

Mehr als nur Kursgewinne

Wenn ein Kurs steigt, kannst du deine Aktie teurer verkaufen, als du sie gekauft hast. Das ist eine Möglichkeit, mit Aktien Geld zu verdienen. Es gibt aber noch eine zweite, ganz ohne Verkauf: Viele Unternehmen geben ihren Aktionären regelmäßig einen Teil des Gewinns ab. Darum geht es im nächsten Kapitel.

Kurz gesagt

  • Der Kurs ist der Preis, zu dem zuletzt ein Handel zustande kam. Niemand legt ihn allein fest.
  • Im Orderbuch stehen Kauf- und Verkaufswünsche. Wo sie sich treffen, wird gehandelt. Der Abstand dazwischen heißt Spread.
  • Kurse bewegen sich durch Angebot und Nachfrage, und dahinter stehen vor allem Erwartungen an die Zukunft.